Leseprobe – Dirty Panty Business


Uncategorized / Montag, Juni 17th, 2019

Dirty Panty Business

von Josefine Kraus

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Für alle, die es ebenfalls hassen, dreckige Unterwäsche zu waschen.


P R O L O G

„Miss?“

Mürrisch wehre ich mich gegen das sanfte Rütteln an meiner Schulter. „Kann man denn nicht wenigstens einmal ausschlafen …“

„Miss, Sie müssen aufstehen. Wir sind vor fünfzehn Minuten gelandet.“

Gelandet?

Schlaftrunken blicke ich in das Gesicht der jungen britischen Flugbegleiterin.

„Oh!“ Ich springe hastig auf und knalle dabei mit dem Kopf an die Gepäckablage. Die Stewardess unterdrückt ein Lachen, was ich an ihrer Stelle bestimmt nicht fertiggebracht hätte.

„’Tschuldigung, ich beeil mich“, nuschle ich verlege und mache mich schleunigst daran, meine Siebensachen aus dem Flieger zu tragen.

Während ich erleichtert aus der stickigen, chemikalienverseuchten Flugzeugluft ins Freie trete, kann ich es kaum erwarten, in das erstaunte Gesicht von Tim zu blicken. Ich habe ihn im Glauben gelassen, mein zweiwöchiger Sprachaufenthalt in England sei erst morgen vorbei. Doch tatsächlich ist mein Flieger schon heute in aller Früh am Flughafen Zürich gelandet.

Tim ist kein Fan von Überraschungen und ich habe mich in den letzten drei Jahren unserer Beziehung brav zurückgehalten. Doch heute mache ich eine Ausnahme und bin mir sicher, er wird sich freuen.

Nach meiner Ankunft gehe ich kurz zu mir nach Hause, pfeffere den Koffer in die Ecke, dusche ausgiebig und schlüpfe in frische Kleider. Da Tim es nicht mag, wenn ich zu viel Make-up trage, schminke ich mich bloß dezent und trage einen Spritzer meines neuen in London erstandenen Parfüms auf. Guilt free pleasure. Ein furchtbarer Name, wie ich finde. Wenn man jedoch am diamantförmigen Flakon schnuppert, überzeugt der Duft sofort. Er riecht schon fast verboten gut. Dangerous oder sinful pleasure wäre treffender. Aber was weiß ich schon von Parfümmarketing, ich bin schließlich gerade erst dabei, meine Ausbildung zur Kauffrau abzuschließen. Der Sprachaufenthalt ist die letzte Station vor der großen Abschlussprüfung gewesen und soll als praxisnahe Vorbereitung auf das Englischexamen dienen.

Ein Blick ins Zimmer meiner Mutter bestätigt mir, dass sie wie üblich gegen Samstagmittag noch tief und fest schläft. Das große Wiedersehen mit ihr kann warten, vermutlich hat sie sowieso vergessen, dass ich heute schon zurück bin, denke ich mir. Versteht mich nicht falsch, sie ist keine Rabenmutter. Beim Preis für die Mutter des Jahres wird sie es dennoch nie aufs Siegertreppchen schaffen. Dafür ist sie einfach zu neurotisch und zu sehr damit beschäftigt, sich um ihr eigenes Leben zu kümmern. Dass sie sich seit der Scheidung von meinem Vater als Alleinerziehende bezeichnen muss, überfordert sie noch mehr. Dabei war ich bei der Trennung bereits 14 Jahre alt und ziemlich selbstständig für mein Alter.

Oft kommt es mir daher so vor, als ob ich den erwachsenen Part in dieser Mutter-Kind-Beziehung übernehmen muss. Trotzdem liebe ich sie über alles und würde sie um nichts in der Welt gegen eine andere Mutter eintauschen wollen.

Tim wohnt nur wenige Blocks von meinem Zuhause entfernt. Er ist ganze vier Jahre älter als ich und hat sein Elternhaus bereits gegen die erste eigene Wohnung eingetauscht. Trotz unseres Altersunterschieds habe ich auch hier häufig das Gefühl, die Erwachsenere zu sein. Dabei sieht man mir meine 21 Jahre gar nicht an. Die meisten Leute schätzen mich auf 18 oder 19.

„Im Alter wirst du dafür noch dankbar sein!“, prophezeit meine Mutter stets. Aber ich habe kein Problem mit dem Alter. Im Gegenteil. Alte Menschen strotzen nur so vor Lebenserfahrung und müssen sich keine Gedanken mehr über die neusten Trends machen. Und wenn etwas schief geht, dürfen sie sich immer der Ausrede bedienen, „dass wir schließlich alt sind, Kindchen. So zumindest hat meine geliebte Granny mir das Älterwerden beschrieben.

Endlich habe ich das mehrstöckige Gebäude erreicht. Meine Kopfhaut kribbelt und ich spüre meinen Puls steigen. Bin ich etwa nervös? In den letzten drei Jahren waren Tim und ich noch nie länger als eine Woche voneinander getrennt. Ob er mich auch so vermisst hat, wie ich ihn?

Vorsichtig stecke ich den Zweitschlüssel ins Schloss und drehe leise, bis ich den Riegel klicken höre.

Ich öffne die Türe einen Spaltbreit, husche hindurch und verschließe sie behutsam wieder hinter mir. Tim scheint ebenfalls noch zu schlafen.

Perfekt, dann kann ich mich gleich zu ihm unter die Decke kuscheln!

Wie sehr habe ich es vermisst, neben ihm aufzuwachen, ihn kurz am Rücken zu kraulen und nach einem süßen Grunzen, Arm in Arm wieder mit ihm einzuschlafen.

Auf Zehenspitzen schleiche ich in Richtung Schlafzimmer. Doch auf einmal halte ich in meiner Bewegung inne. Was war das?

Ich schüttle den Kopf und tripple weiter. Doch halt! Da ist es schon wieder, dieses dumpfe Gemurmel.

Oh nein! Bitte lass das nicht wahr sein … Bitte Tim, tu mir das nicht an! Nicht so …

Leider bestätigt mir das darauf folgende helle Gekicher meine schlimmsten Befürchtungen. Eigentlich sollte ich jetzt gehen. Umdrehen, Schlüssel in den Briefkasten werfen und nie nie wieder mit diesem Scheißkerl auch nur ein Wort wechseln. Aber ich kann es nicht lassen. Ich muss wissen, wer sie ist, die Frau, die durch das Spreizen ihrer Beine die letzten drei Jahre meines Lebens zerstört.

Die Beine sind nicht gespreizt. Doch als ich die angelehnte Schlafzimmertüre aufstoße, blicke ich in das bunt geschminkte, lustverzerrte Gesicht meiner besten Freundin Annie. Auf allen Vieren kniet sie auf dem Bett, Tims Hände von hinten um ihre Brüste gekrallt, der nun mit entsetztem Gesichtsausdruck in seiner rhythmischen Vor- und Rückwärtsbewegung innehält.

„Marie, was tust du denn hier?“

Mein Magen dreht sich um und ich weiß, ich werde jeden Moment kotzen. Die drohende Sintflut an Tränen zurückhaltend, erwidere ich trocken: „Die Frage ist wohl eher, was ihr hier tut.“

Ich will bloß noch weg und habe es schon fast aus der Wohnung geschafft, als ich wie ferngesteuert noch einmal kehrt mache und Annie mein bösartigstes ‚widerliche Fotze‘ ins Gesicht schleudere.

Kaum habe ich den Hauseingang erreicht, entleert sich mein Magen und mein letztes english breakfast findet sich halb verdaut auf dem regennassen Gehweg wieder.

Klar, ein stilvoller Abgang ist das nicht gewesen. Aber es hat verdammt gut getan.


Die ganze Geschichte gibt es kostenlos auf der Plattform Wattpad zu lesen!

 

 

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